Deutsch-Finnische Treffs

Der Deutsch-Finnische Club Puchheim veranstaltet in unregelmäßigen Zeitabständen Deutsch-Finnische Treffs. Bei diesen Veranstaltungen werden vielfältige Themen, natürlich alle mit Finnland- oder Salo-Bezug, behandelt. Es kann sich um Musik- und Tanzveranstaltungen, Vorträge, Lesungen und Reiseberichte handeln.

Über die bisherigen Deutsch-Finnischen Treffs wird in chronologischer Reihenfolge berichtet:

 

Harmonische Reise nach chaotischem Start
Die fünfte Reise nach Finnland mit dem Deutsch-Finnischen Club

Geplant: 28.7. - 8.8.2018             Tatsächlich: 30.7. - 8.8.2018

18 Teilnehmer/innen kamen am 28.7.2018 voller Vorfreude am Münchener Flughafen an, um mit der Lufthansa nach Helsinki zu fliegen. So einfach sollte es aber nicht werden, denn wegen eines Sicherheitsvorfalls wurden alle Flüge erst einmal storniert. Erst nach vergeblichem Warten von ca. 14 Stunden in einem ungeordneten Haufen am Samstag und noch einmal sechs Stunden am Sonntag in einer geordneten Schlange und einer weiteren Stunde am Schalter gelang es, für Montag einen Flug über Düsseldorf nach Helsinki zu ergattern. Die bereits abgegebenen fünf Koffer kamen erst am drittletzten Tag ins Hotel in Finnland.

Gegen Mitternacht kam dann die Gruppe in Loviisa, dem nächsten geplanten Quartier an. Freundlicherweise erwartete uns ein Mitternachtsbüfett. Den nächsten Tag begannen wir eine halbe Stunde später mit einer Segelbootsfahrt zur Insel und Seefestung Svartholm. Bei strahlendem Wetter genossen wir alle die Fahrt und waren ein wenig versöhnt mit der Tatsache, dass uns 2 ½ Tage Helsinki mit u.a. dem Besuch der staatlichen Gemäldesammlung Ateneum und dem Treffen mit Freunden aus unserer Partnerstadt Salo entgangen waren.

Die folgenden Stationen, die Stadt Kotka und das Marinezentrum Vellamo, waren hochinteressant. Es ging dann weiter über Hamina nach Lappeenranta, von wo aus wir am folgenden Tag mit dem Schiff nach Vyburg, finnisch Viipuri, einst die zweitgrößte Stadt Finnlands, heute zu Russland gehörend, den Saimaakanal entlang durch acht Schleusen fuhren. Es gab da manchen Sonnenbrand. Der Aufenthalt in Viipuri war zu kurz, denn die Kontrollen am Zoll schienen endlos. Es wäre schön gewesen, auf eigene Faust ein paar Stunden durch die Stadt, die in vielem noch an Finnland erinnert, zu schlendern und vielleicht auch auf dem Markt oder in der Markthalle etwas einzukaufen. Aber offenbar wollten die Russen unser Geld gar nicht. Erstaunt waren wir, dass die Menschen dort ihrem Regime in Moskau doch recht kritisch gegenüberstehen. An Bord gab es am Abend ein sehr gutes Büfett, wie wir eigentlich überall sehr gut verpflegt wurden, mit einheimischen Köstlichkeiten.

Punkaharju war dann die nächste Station. Dieser Landschaftsbereich gehört zu den schönsten in Finnland: ein langgestreckter schmaler Höhenzug zwischen zwei Seen mit traumhaften Ausblicken. Das Forstmuseum gab uns einen guten Einblick und zusätzlich waren jede Menge Kunstwerke aus Holz und Birkenrinde zu sehen.

Kunst war neben den vielen Anlagen, die an die Kriegszeiten erinnern, eines der wichtigsten Themen unserer Reise. So besuchten wir den Kunstgutshof (taidekartano) von Johanna Oras und später auch noch eine Kunstausstellung in Pyhäniemi, sowie das Kunstschloss der Malerin Soile Yli-Mäyry.

Natürlich durfte ein Besuch im karelischen Dorf Parppeinvaara nicht fehlen, wo uns eine Nichte von unserem Clubmitglied Ulla Williams sehr kompetent führte und uns auf der Kantele vorspielte. Im karelischen Dorf gab es auch viele köstliche Spezialitäten zum Mittagessen. Wie schon bei der früheren Reise nach Karelien durfte auch diesmal ein Besuch bei der Bildhauerin Eeva Ryynänen nicht fehlen. Die Gruppe war begeistert von ihren Holzskulpturen und der Kirche, die sie eigenhändig gebaut hat. Ihr Wohnhaus ist jetzt Museum, und man kann bewundern, was sie alles neben vielen Skulpturen aus dem Werk von Aleksis Kivi „Die Sieben Brüder“ für ihren alltäglichen Gebrauch geschnitzt hat. In Bomba wurde übernachtet und im See gebadet. Hier hat die Kette Sokos ein Feriendorf übernommen.

Langsam neigte sich unser Aufenthalt dem Ende zu. Aber es gab noch ein paar Höhepunkte: Der Turm Puijo in Kuopio, von dem aus man eine überwältigende Aussicht über Kuopio, die vielen Seen und das sich weithin erstreckende Hinterland hat. Die Wolken spiegeln am Himmel die Inselchen in der Seenlandschaft wider. Am darauffolgenden Tag ging es zum orthodoxen Kloster Valamo, das ursprünglich im Ladogasee beheimatet war. Aber im zweiten Weltkrieg übersiedelten die Mönche im Winter über das Eis den größten Teil der Kunstschätze nach Finnland, wo sie das neue Valamo gründeten. Hier erwischte uns das erste Mal ein Regenguss, den wir aber in der Kirche abwarten konnten, dann schien wieder die Sonne. Außerdem durften wir den Weinkeller anschauen und den dort gekelterten Beerenwein verkosten.

In Mikkeli besichtigten wir den größten finnischen Pfarrhof, Kenkävero. Er ist komplett aus Holz gebaut, und weil man nicht genau weiß, woher der Name stammt, hat man, weil kenkä Schuh bedeutet, eine ganze Reihe Schuhe als Schmuck mit Blumen aufgebaut. Schließlich kamen wir nach Lahti und hatten Glück. Eigentlich war Alvar Aaltos wunderschöne Kirche geschlossen, aber weil eine Organistin für das Konzert am Abend noch übte, konnten wir dennoch hinein, um die Leichtigkeit und das Licht in diesem Bau zu erfahren. Lahti ist seit etlichen Jahren neben seinem Ruf als Sportstadt auch Sibeliusstadt geworden. Wir waren natürlich in der Sibeliushalle, konnten auch hinter die Kulissen schauen und bekamen ein kurzes Orgelkonzert zu hören.

Der nächste Tag war der letzte. Aber die mittelalterliche Feldsteinkirche in Hollola war noch sehr beeindruckend, noch dazu, weil uns eine Kunsthistorikerin und Archäologin führte.

Am Nachmittag brachte uns dann das Flugzeug ohne Probleme zurück nach München.

                                                                                    Ingeborg Keil

 

● (34) Auf dem Königsweg von Helsinki nach Salo

24. Mai 2018

Kuno Saatze berichtete in einem Vortrag mit Lichtbildern über seine Radl-Tour von Helsinki nach Salo. Er erzählte, wie es zu dieser Tour kam, wie sie vorbereitet und schließlich durchgeführte worden ist, und schilderte seine abenteuerlichen Erlebnisse während der sechstägigen Radtour.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ergänzt wurde der Vortrag mit einem kurzen Film von der Ausstellung der Bilder im Rathaus der Stadt Salo, die u.a. von acht Künstlerinnen und Künstlern des Puchheimer Kulturvereins während des Kunst-Symposiums gemalt worden sind. Dieses Symposium wurde von dem Hansa Verein (Deutsch-Finnischer Verein in Salo) zusammen mit der Gesellschaft für Künstler (Salon Taiteilijaseura) mit Unterstützung der Stadt Salo im August letzten Jahres organisiert.

 

 

● (33)  Das pure Glück wohnt in Finnland!?

26. April 2018

Für die Aktion „Puchheim liest ein Buch“ hat Nicola Bräunling von der Buchhandlung Bräunling „Glückskind“ von Steven Uhly ausgewählt. Zu diesem Buch und dem Thema Glück finden in Puchheim zwischen Mitte März und Mitte Mai zahlreiche Veranstaltungen statt. Auch der Deutsch-Finnische Club beteiligte sich am 26.04.2018 an der Aktion. Im gut gefüllten Saal der Alten Schule in Puchheim-Ort stellten wir die naheliegende Frage: Was hat eigentlich Finnland mit Glück zu tun?

Der World Happiness Report der UN gibt eine ganz einfache Antwort auf diese Frage: Finnland steht dort auf Platz 1, wohingegen es Deutschland nur auf Platz 15 geschafft hat. Wieso die Finnen das glücklichste Volk der Welt sind, versuchten zunächst Ulla Williams, gebürtige Finnin, und Marion Strencioch in einem kurzen Gespräch zu klären. Ulla Williams stellte zunächst fest, dass die Finnen über ihren ersten Platz im Weltglücksbericht besonders glücklich sind, weil sie nun endlich einmal auf einem Gebiet den ewigen Rivalen Norwegen geschlagen haben. Diesem Scherz mit einem Fünkchen Wahrheit folgten die eigentlichen Gründe: Zum einen ist da die traumhaft schöne finnische Landschaft mit ihrem unsagbar weiten Himmel zu nennen. Zum anderen herrscht in Finnland ein Gefühl von großer Sicherheit, weil das soziale Netz dicht gewebt ist und der Unterschied zwischen arm und reich weit wesentlich geringer ist als in Deutschland. Und vor allem ist das Leben in Finnland weit weniger hektisch und getrieben als in Deutschland. Beim Sport beweisen die Finnen, dass sie nicht die mürrischen, wortkargen Menschen sind, als die man sie sich oft vorstellt. Mit kreativen Sportarten wie Matschfußball (bei dem der Batz kniehoch steht), Handy- und Gummistiefelweitwurf, Frauentragen und Luftgitarrespielen beweisen sie, dass sie jede Menge Humor haben. Die Bedeutung von Familie und Freunden, der in Steven Uhlys „Glückskind“ eine zentrale Rolle zukommt, stellte Williams auch für Finnland heraus. Doch schränkte sie ein, dass durch den zunehmenden Zuzug in die Städte auch die Vereinsamung wächst. Schließlich gab es eine ganz eindeutige Antwort auf die Frage, mit welchen Büchern man Kinder in Finnland glücklich macht: die Mumins!

 

 

Marion Strencioch und
Ulla Williams

 

 

                                                                            Vera Zingsem                                                                       

Das führte zum Hauptteil des Abends. Mit einem Zitat von Demokrit, demzufolge mutiges Handeln zum Glück führt, begrüßte Ulrike Wörner die Referentin Vera Zingsem. Die Tübinger Theologin, Autorin und Tanztherapeutin Zingsem hielt einen überaus kurzweiligen, unterhaltsamen und mitreißenden Vortag über Tove Jansson und ihr Hauptwerk, die Mumins. Die lustigen und friedliebenden weißen Trolle, deren Aussehen an Nilpferde erinnert, hatte die finnische Autorin als Gegenentwurf zu der kriegsgeschädigten Gesellschaft nach dem 2. Weltkrieg geschaffen. Anhand zahlreicher Beispiele erklärte Zingsem, wie die Mumins in vollkommener Toleranz die Marotten und Macken jedes einzelnen Wesens akzeptieren und wie sie gutgelaunt mit überraschenden Ideen, verblüffenden Einfällen und allem voran mit unerschütterlichem Optimismus für jedes Problem eine Lösung finden. Doch die Geschichten enthalten auch philosophische Gedanken, etwa wenn ein Mumin mitten im Winter aus seinem Winterschlaf erwacht und sich daraufhin in einer ihm völlig fremden Welt zurechtfinden muss. Ausnahmslos alle Besucher lauschten Zingsems Ausführungen gebannt, lachten häufig und strahlten mit jeder Episode mehr.

Zum Abschluss des Abends wurden noch Getränke gereicht und suomalaisia onnenkeksejä (finnische Glückskekse). So waren die selbstgebackenen Plätzchen in Form der Mumins tituliert worden.

Beim Nachhausegehen war allen Besuchern klar: Das pure Glück wohnt vielleicht nicht in Finnland, jedoch ganz, ganz sicher bei den Mumins!

                                                                                                                                                         Marion Strencioch

 

● (32) Finnische Malerei

Lichbildervortrag von Ingeborg Keil

30.11.2017

 

Finnische Malerei ist in Deutschland nahezu unbekannt. Die ersten Spuren finden sich in Mittelfinnland als ca. 7000 Jahre alte Felsenmalereien. Es gibt auch noch etliche Zeugnisse aus dem Mittelalter. Leider sind aber sehr viele ausgemalte Holzkirchen abgebrannt. Erst seit der Renaissance und dem Barock haben sich durchgehend Malereien erhalten.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt die Kunstepoche, die später das „Goldene Zeitalter finnischer Kunst“ genannt wird. Dazu trug auch die Sammlung von
Kunstwerken bei, die später im Ateneum in Helsinki ausgestellt und jährlich ergänzt wurde, entweder durch Schenkungen oder durch Ankauf.

 

Die erste Frau, die hervorragend malte und über die Grenzen Finnlands bekannt wurde, war Fanny Churberg (1845-1892). Schon früh Waise, hatte sie dennoch finanziell keine wesentlichen Probleme, denn ein gutes Erbe sorgte für sie und ihre Geschwister. Sie lernte in Düsseldorf, das damals ziemlich die einzige Möglichkeit für Frauen bot, Kunst zu studieren, wenngleich sie nicht an öffentlichen Anstalten zugelassen waren. Ihr war es wichtig, das Nationalgefühl der Finnen herauszustellen, deshalb malte sie hauptsächlich finnische Landschaften, die auch heute noch bewundernswert sind. Ein paar Beispiele: Landschaft in der Gegend von Viipuri bei einem nahenden Gewitter, Wasserfall, Mondschein, einige Winterlandschaften und auch ein Selbstbildnis. Fanny Churberg gewann mehrere wichtige Preise in Finnland. Trotzdem hatte sie auch Probleme mit den damaligen Kunstkritikern, die mit ihrem fortschrittlichen Malstil nicht immer etwas anfangen konnten. In späteren Jahren widmete sie sich einem anderen Kunstgebiet, der Textilarbeit. Sie gründete einen Verein der Handarbeitsfreunde und leistete damit einen großen Beitrag zu diesem sehr wichtigen Gebiet finnischer Kultur.

 

 Albert Edelfelt (1854-1905) stammte aus einer Familie, die sich künstlerisch betätigte. Er wurde früh Halbwaise, weil der Vater starb, konnte aber die bereits begonnen Kunststunden fortsetzen und konzentrierte sich nach philologischen Studien an der Universität Helsinki sehr bald nur noch auf die Kunst. Wie auch andere namhafte finnische Maler und Malerinnen hatte er bei Adolf von Becker bereits eine gute Grundausbildung erhalten. In Antwerpen und Paris vervollkommnete er sich und machte sehr bald die Historienmalerei zu seinem Hauptgebiet. Wichtige Werke sind: Königin Blanka, Fürst Karl schmäht den Leichnam von Klaus Flemming. Später malt er sehr viele Porträts und beginnt auch einen neuen Stil, denn die Farbgebung im Atelier scheint ihm nicht immer gut, so malt er fortan nur noch im Freien, um das Licht und die Luft besser einfangen zu können. Werke aus dieser Zeit sind: Der Leichenzug eines Kindes, Gottesdienst auf den Schären von Uusimaa, Samstagabend auf Hamari, Am Meer, Alte Frauen von Ruokolahti auf dem Kirchberg u.a. Die Porträts werden nicht idealisiert, man kann die Personen als Individuen ausmachen. Mit dem Porträt von Louis Pasteur gelang ihm der Durchbruch. Er bekam nicht nur viele finnische und internationale Preise, sondern gehörte sogar zur Jury bei der Societé Nationale des Beaux Arts in Paris, wo er u.a. den Ritterorden bekam. Er durfte sogar vom russischen Zaren Porträts anfertigen. Auch er hatte oft Schwierigkeiten mit den Kritikern, aber ohne ihn wäre die Kunst Finnlands nicht so bekannt im übrigen Europa geworden. Er malte auch ein Porträt der karelischen Runensängerin Larin Paraske, die 32.000 Verse finnischer Volksdichtung rezitieren konnte und so auch sehr viel zur finnischen Kunst beigetragen hat. Seine bedeutendste Aufgabe war es, die Geschichten des Fähnrich Stool von Johann Ludwig Runeberg (1804-1877), dem finnischen Nationaldichter, zu illustrieren, ein Buch, das ihn schon als Kind fasziniert hatte.
Als er 51jährig starb, gestalteten sich die Beisetzungsfeierlichkeiten zu einer nationalen Trauerfeier.


Akseli Gallen-Kallela (1865-1931) wurde als Axel Waldemar Gallén geboren und nahm erst später den finnisierten Namen an. Auch Gallen-Kallela war früh Halbwaise. Auch er lernte früh bei Adolf von Becker, der offensichtlich die Talente junger Menschen gut erkannte. Er studiert auch wie viele andere seiner Zeit in Paris. Zunächst malte er im Stil des Realismus und des Naturalismus (Der Junge und die Krähe, Verwester Zander), aber sehr bald gilt dem finnischen Nationalepos Kalevala sein Hauptaugenmerk. Er malt die Geschichte der Aino, um die der greise Sänger Väinämöinen freit und die es aber vorzieht zu den Jungfrauen des Vallamo ins Wasser zu gehen, als sich dem alten Mann zu ergeben. Er malt die Erschaffung des Sampo, dieses zaubermächtigen mühlenähnlichen Gebildes, das demjenigen, der es besitzt, Reichtum gibt. Dieser Sampo ist bei der Nordlandherrscherin Louhi und er wird ihr geraubt. Auch das malt Gallen-Kallela. Für seine Malereien, die teilweise wie ein Fenster in die Vergangenheit wirken, lässt er sich z.B. eine Schmiede bauen, in der „Sklaven“, ganz in Loden gekleidet, den Blasbalg betätigen und schmieden. So kann er die Farbgebung genau übernehmen und die Licht- und Schattenspiele. Weitere Werke aus dem Kalevala sind Lemminkäinens Mutter, Kullervos Fluch. Es verwundert nicht, dass derartige Werke in Paris nicht unbedingt auf Resonanz stießen, denn ohne die Geschichte zu kennen, sind sie nicht gerade aussagekräftig. Wichtig für ihn war es, die finnische Nationalität darzustellen. Auch er gewann viele Preise, war international anerkannt (z.B. bestellten die Uffizien ein Selbstbildnis von ihm). Auch im Land wurden ihm große Ehren zuteil, er wurde beauftragt, für die finnische Soldaten- und Repräsentationskultur alles Mögliche zu entwerfen. Später lebte er ein Zeit in Amerika. 1931 starb er an einer Lungenentzündung in Stockholm.

 

Das finnische Wunderkind der Malerei war Helene Schjerfbeck (1862-1946), die bereits als Kind wunderschön zeichnen konnte und etliche Jahre früher, als es üblich war, an der Zeichenschule angenommen wurde, weil Adolf von Becker ihr Talent erkannte. Nach einem Unfall hatte sie ein Leben lang mit einer Behinderung zu tun, die sie aber vielleicht noch sensibler hatte werden lassen allem Kindlichen Leid gegenüber. Auch sie war sehr früh Halbwaise geworden. Als Frau musste sie um ihre Anerkennung schwer kämpfen, denn die Kritiker waren zu einem großen Teil der Meinung, dass Frauen nicht wirklich Künstlerinnen sein konnten und beurteilten die Bilder entsprechen boshaft. Die eigene Mutter lehnte ihre „brotlose Kunst“ auch ab und war der Meinung, Waschen, Kochen und Aufräumen seien wichtiger. Dennoch konnte sie in Paris, in der Bretagne und in Cornwall studieren und malen. Ihr waren die Heldenmalereien nicht wichtig, sie malte die Menschen ohne Beschönigung, aber mit einer gewissen Hingabe. Der verwundete Soldat im Schnee, Die Genesende, Der Junge, der seine kleine Schwester füttert sind anrührende Bilder, weil sie mit großer Menschlichkeit zu uns sprechen. Landschaften aus der Bretagne, Bilder, die das tägliche Leben der Menschen zeigen und auch ihre Selbstbildnisse, die, je älter sie wird, desto schonungsloser den menschlichen Verfall darstellen, wurden von einem Kunsthändler, Gösta Stenman angekauft. So hatte sie ein einigermaßen regelmäßiges Einkommen, obwohl es ihr finanziell nie besonders gut ging. Bis ins hohe Alter malte sie, war Neuem gegenüber aufgeschlossen, und starb, nachdem ihr die beiden Weltkriege vor allem gesundheitlich ziemlich zugesetzt hatten, in Schweden, wo sie ihre letzten Lebensjahre zugebracht hatte.
1996 wurde ihr als erster Finnin eine Gedenkmünze gewidmet und ihre Werke erzielen heute bei internationalen Auktionen höhere Preise als alle anderen finnischen Kunstwerke.
Barbara Beuys hat eine Biographie über sie geschrieben, die lesenswert ist.

                                                                                      Ingeborg Keil

 

● (31) Zweiter Finnischer Filmabend

7.11.2017

Im Jahr 2017 begehen die Städtepartnerschaft von Puchheim und Salo und der Deutsch-Finnische Club ihr jeweiliges 10-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund hat der DFC seine Veranstaltungsdichte im Jubiläumsjahr erhöht. Neu ins Programm wurde die Darbietung von finnischen Filmen aufgenommen. Am 2. März 2017 zeigte der DFC bereits den Film „Mittsommernachtstango“. Darin wird auf humorvolle Weise versucht, das Ursprungsland des Tangos, Argentinien oder Finnland, zu ermitteln.

Nun folgte der zweite finnische Filmabend mit der Doku-Dramödie (so die Bezeichnung der Verleihfirma) „WAS MÄNNER SONST NICHT ZEIGEN – GESCHICHTEN AUS DER FINNISCHEN SAUNA (FSK: 6)“.
In der wohligen Wärme der Sauna tauschen finnische Männer sowohl humorvolle als auch tiefgründige Lebensgeschichten aus und kehren ihr Innerstes nach außen. Im Mittelpunkt steht immer: Die Sauna.
In Finnland gehört sie zum täglichen Leben und ist wohl aus jedem Raum mit vier Wänden zu machen – auch Telefonzellen, alte Wohnwagen und Erntemaschinen sind bestens geeignet, um Menschen zusammen zu bringen.

 

Schon eine Weile vor Beginn der Veranstaltung fanden sich viele Besucher im Puchheimer Kulturzentrum PUC ein. Bald zeigte es sich, dass die Bestuhlung des Saales nicht ausreichte und weitere Stühle benötigt wurden. Mit einer so großen Besucherresonanz hatte niemand gerechnet.

Das Publikum war von dem Film recht angetan. Er weist keine durchgehende Handlung auf. Vielmehr werden in unterschiedlichen Szenen einzelne Männerschicksale dargestellt. So wechseln sich bei den Saunagesprächen anrührende und amüsante, aber auch sehr tragische Ereignisse ab. Ein breites Spektrum männlicher Lebenserfahrung wird dem Publikum präsentiert.

Aufgrund der großen Besucherzahlen bei beiden Filmabenden ist es sehr wahrscheinlich, dass der DFC diese Reihe weiter führt.

 

 

● (30) Tanzveranstaltung: Finnischer Tango

26.10.2017

Schon zum dritten Mal veranstaltete der Deutsch-Finnische Club einen Tanzkurs zum Finnischen Tango unter der Leitung von Rolf Kajanne. Der erste fand bereits im März 2014 in der Alten Schule in Puchheim-Ort statt. Zur Feier des 10-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Puchheim – Salo und gleichzeitig des Deutsch-Finnischen Clubs durfte der Finnische Tango nicht fehlen. Jetzt hat neuerlich wiederum in der Alten Schule der dritte Tanzkurs stattgefunden.

Acht Tanzpaare haben sich eingefunden, um nochmals das Wesen des Finnischen Tangos und seine einfachen Schrittkombinationen zu erfahren, und um anschließend diesen Tango auch zu tanzen.

Rolf Kajanne thematisierte die seit Jahrzehnten ungeklärte Frage, wo denn der Tango entstanden sei, in Finnland oder in Argentinien. Finnlandkenner wissen natürlich sofort, dass die Antwort nur Finnland lauten kann.

Argentinischer Tango wird in Deutschland in vielen Tanzschulen gelehrt. Eine Tanzschule zu finden, die Kurse zu Finnischem Tango anbietet, dürfte dagegen schwer fallen. Diese Lücke will der DFC füllen.

Rolf Kajanne, ein angesehener Lehrer für Finnischen Tango, ist in Helsinki geboren und erlernte diesen Tanz schon in seiner Jugend. Trotz Rock’n‘Roll und argentinischem Tango ist er immer der Tradition sowie dem ganz eigenen Rhythmus des finnischen Tangos treu geblieben. In vielen Kursen hat er den Tanz und das Gespür dafür in Theorie und Praxis weiter vermittelt. Jetzt gibt er ein Stück weit dieses finnische Lebensgefühl, das mit dem Tanz verbunden ist, nach Puchheim weiter.

 

● (29) Lauri Viita zum 100. Geburtstag

27.4.2017

Lauri Viita, ein bedeutender finnischer Dichter und Schriftsteller, hätte am 17.12.2016 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Anlässlich dieses Datums wurde ein Abend ihm zu Ehren in Puchheim für den DFC gestaltet.

Zunächst sprachen wir davon, wie ich auf Lauri Viita gekommen sei. 1986 hatte meine Familie durch Zufall einen finnischen Gastschüler bekommen, Matti Viita, den Enkel des Dichters. Es entstand eine bis heute andauernde Freundschaft, die dazu beitrug, dass die Familie Keil viel über Lauri Viita im Lauf der Zeit erfuhr.

Nach einer allgemeinen Einführung über die geologischen Gegebenheiten in und um Tampere und der Entstehung des Moränenhügelrückens Pispala, der Schauplatz ist für den Roman „Moreeni“ (wörtlich: Moräne, deutscher Titel: „Ein einzelner Weiser ist immer ein Narr“), wurden die Zuhörer überrascht mit einem finnischen Abschnitt aus dem Roman, was für einige der erste Kontakt mit der finnischen Sprache war. Aus dem Roman, der zugleich eine Art Biographie des Autors ist, wurden einige Textpassagen (nun allerdings auf Deutsch) vorgetragen, die beschreiben, wie das Leben der Arbeiter um 1900 in der Industriestadt Tampere aussah, wie die großen Familien gezwungen waren, sich eine Bleibe auf dem nahegelegenen Hügelrücken Pispala zu schaffen. Es wurde gezeigt, wie die politische Situation im Ersten Weltkrieg, im Fortsetzungskrieg und im Winterkrieg in Finnland war und wie trotz der widrigen Umstände die jungen Menschen doch eine gewisse Freiheit im Land genießen konnten. In diese chaotische Zeit wird Lauri Viita 1916 als jüngstes Kind nach sechs Geschwistern hineingeboren. Lauri besucht das Gymnasium, was zu der Zeit in der Umgebung gar nicht goutiert wird, denn so fehlt ein Verdiener in der Familie und man will auch nicht besser sein als die anderen. 1939 heiratet er Kerttu Solin, hat zwei Kinder mit ihr und lässt sich, nun schon ein bekannter Dichter, 1948 von ihr scheiden, weil er sich in eine junge Dichterin, Aila Meriluoto, verliebt hat und meint, ohne sie nicht leben zu können. Hier geraten nun zwei geniale Menschen aneinander, es entwickelt sich eine ausgesprochen stürmische Ehe, aus der vier Kinder hervorgehen. Aber auch diese Ehe wird geschieden, als Lauri wiederholt in eine Nervenheilanstalt eingewiesen werden muss. Aila sagt einmal über ihn, dass er „kein Dichter, sondern eine Naturkatastrophe“ sei. 1956 wird die Ehe geschieden. Lauri ist nach längeren Behandlungen wieder gesund, ist als Dichter sehr erfolgreich und reist viel im Land umher. 1962 heiratet Lauri ein drittes Mal, Anneli Kuurinmaa, mit der er auch noch einen Sohn hat. Am 21.12.1965 wird er bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall so schwer verletzt, dass er am nächsten Tag im Krankenhaus stirbt.

Aila Meriluoto hat ein Buch über ihn geschrieben, „Lauri Viita, „Legenda jo elämänsä“ (Lauri Viita, Legende schon zu Lebzeiten). Dieses Buch wurde 2009 verfilmt unter dem Titel eines ihrer Gedichte „Putoavia Enkeleitä“ (Gefallene Engel). Anlässlich seines 100. Geburtstags wurde von Eeva Kontu ein Musical komponiert, „Viita 1949“, das mit großem Erfolg in Tampere aufgeführt wurde und noch wird. Lauri Viita hat neben seinem Roman „Moreeni“ noch einen weiteren geschrieben, besonders bekannt ist er aber wegen seiner Gedichte, die zu einem Teil von Heikki Sarmanto vertont wurden und von Tapani Kansa gesungen.

Es ist sehr schwer, Gedichte in eine andere Sprache zu übertragen. So wurde nur der Inhalt von „Iso Mies“ (Ein großer Mann), „Alfhild“, „Betonimylläri“ (Der Betonmischer) besprochen, dann übernahm die Musik die Interpretation. Das Gedicht „Alfhild“ ist geradezu eine Hymne auf seine Mutter, das in Finnland zu dem Muttertagsgedicht wurde. Ein Gedicht „Onni“ (Glück) ist übersetzt worden, wenn auch leicht gekürzt. Es wird als eine Art Vermächtnis des Dichters angesehen, denn es ist sein letztes Gedicht, das bereits wie ein Abschied klingt. Es erschien an dem Tag in der Zeitung , als auch die Nachricht von seinem Tod berichtet wurde.

                                                                                                                         Ingeborg Keil