Deutsch-Finnische Treffs

Der Deutsch-Finnische Club Puchheim veranstaltet in unregelmäßigen Zeitabständen Deutsch-Finnische Treffs. Bei diesen Veranstaltungen werden vielfältige Themen, natürlich alle mit Finnland- oder Salo-Bezug, behandelt. Es kann sich um Musik- und Tanzveranstaltungen, Vorträge, Lesungen und Reiseberichte handeln.

Über die bisherigen Deutsch-Finnischen Treffs wird in chronologischer Reihenfolge berichtet:

 

● (36)  Bericht über die Finnland Reise 2018

 28.7. -  8.8. 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Samstag, 28. Juli 2018 - Flughafen Chaos
Eigentlich wollten 18 Personen des DFC am Samstag, den 28. Juli 2018 ihre Reise nach Finnland antreten. Doch leider kamen wir genau am Flughafen an, als er gesperrt wurde. Nach einem Tag Warten haben wir noch ein gemeinsames Abendessen im Airbräu eingenommen und sind dann unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren.
Unsere Organisatorin Ingeborg Keil ist dann am Sonntag wieder zum Flughafen gefahren, hat sich von 7-13 Uhr wieder in die Schlange am Informationsschalter gestellt und dann Flüge für Montagabend organisiert.
Liebe Ingeborg, noch einmal vielen Dank für diese Mühe!

Montag, 30. Juli 2018 - Hinflug
Am Montag ging es nachmittags wieder zum Flughafen. Ein Lufthansa-Flug brachte uns nach Düsseldorf. Von dort ging es mit der Finnair weiter nach Helsinki. Noch in der Nacht erfolgte der Bustransfer nach Loviisa.

 

 

 

 

 

 

Reiseroute

 

 

 

Dienstag, 31. Juli 2018 – Loviisa – Svartholm – Kotka - Langingkoski
Ab heute startete unser normales Rundreiseprogramm.
Am Morgen gab es die Möglichkeit, die Stadt Loviisa anzusehen.

 

 

 

 

 

 

Loviisa - Kirche

 

 

 Danach ging die Reisegruppe zum Hafen und wir machten einen Segeltörn mit dem Schiff Östertjernen nach Svartholm. Die Hinfahrt erfolgte mit Motorkraft.


 

 

 

 

 

 

Schiff Östertjernen - Svartholm

 

 

Nach einer kurzen Besichtigung der ehemaligen schwedischen Festung Svartholm mit ihren Bastionen erfolgte die Rückfahrt nach Loviisa. Dieses Mal wurde das große Segel des Schiffes hochgezogen und es ging mit Windkraft zurück - ein erster Höhepunkt der Reise.

Von Loviisa ging es mit dem Bus nach Kotka. Nach der Besichtigung des Parks Sapokka mit einem Wasserfall und vielen Skulpturen ging es zum Marinezentrum Vellamo. Bei einer Führung durch das Museum sahen wir viele Boote in Original oder als Modell.
 

 

 

 

 

 

 

Kotka - Park Sapokka

 

 

 

In Langinkoski wurde die kaiserliche Fischerhütte des Zaren Alexander III. besichtigt. Für die idyllischen Stromschnellen blieb leider fast keine Zeit mehr.

 

 

 

 

 

 

 

Langinkoski Stromschnellen

 

 


Mittwoch, 1. August 2018 – Hamina - Lappeenranta
Erster Besichtigungsstopp des heutigen Tages war die Stadt Hamina. Zentraler Punkt des Ortes ist das Rathaus. Die drei bedeutenden Kirchen von Hamina wurden zu Fuß erkundet und jeweils auch von innen besichtigt. Da zu dieser Zeit auch das Tatoo-Musik-Festival stattfand, sind uns immer wieder Musikgruppen aus vielen Ländern begegnet.

 

 

 

 

 

 

 

Hamina Rathaus

 



 Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Lappeenranta. Nach dem Einchecken im Hotel gab es eine kleine Stadtführung und anschließend die Besichtigung der Festung Lappeenranta. Eigens für uns wurde noch einmal die Orthodoxe Kirche in der Festung geöffnet.

 

 

 

 

 

 

 

Kirche in der Festung von Lappeenranta

 

 

 

Donnerstag, 2. August 2018 – Saimaa-Kanal – Wyborg
Heute hieß es früh aufstehen. Schon um 7 Uhr mussten wir zum Boarding auf das Schiff MS Carelia im Hafen von Lappeenranta sein. Kurz nach der Abfahrt ging es in den Saima-Kanal. Insgesamt 8 Schleusen wurden auf der Fahrt in russische Wyborg passiert. Ab der russischen Grenze ist der Kanal langfristig von Finnland gepachtet. Nach 5 Stunden Schifffahrt tauchten endlich die die Türme von Wyborg auf. Das Schiff legte direkt am Schloss an mit herrlichem Blick auf den Turm.

 

 

 

 

 

 

 

Saimaa-Kanal

 


 

In Wyborg wurde mit dem Bus eine kurze und schnelle Stadtrundfahrt gemacht. Besichtigungspunkte waren u.a. die Ruine der Kathedrale, die Alvar Aalto Bibliothek und die Elch-Skulptur. Dann mussten wir schon wieder durch die Passkontrolle für die Ausreise. Nach dem Passieren der Brücken der Freundschaft gab es an Bord ein Abendbuffet. Danach war noch viel Zeit, die Abendsonne zu genießen, bevor das Schiff gegen 22 Uhr wieder in den Hafen von Lappeenranta einlief.


 

 

 

 

 

Wyborg Schloss

 

 

Freitag, 3. August 2018 – Imatra – Lusto - Punkaharju
Erster Stopp heute war Imatra. Die trockenen Wasserschnellen sind nicht weiter erwähnenswert. Aber die Runde Lakka, ein Likör aus Moltebeeren war ein guter Einstieg in den Tag.
Weiter ging es zur Finnischen Seenplatte in das Gebiet von Punkaharju. Wir fuhren über einen schmalen Landrücken (Os) zwischen den Seen.
Zuerst wurde das Forstmuseum Lusto besichtigt. Kunst und Werkzeuge rund um das Thema Holz und Wald waren in ansprechender Weise arrangiert.


 

 

 

 

 

 

Lusto Forstmuseum

 

 

Danach besuchten wir den Kunsthof von Johanna Oras. Die Künstlerin selbst hat uns mit einem kleinen Umtrunk begrüßt.

 

 

 

 

 

 

 

Johanna Oras

 

 


Im Hotel Kruunupuisto hatten wir den Nachmittag zur freien Verfügung. Es war Zeit zum Kaffeetrinken am See oder für einen Spaziergang in den Wäldern.


Samstag, 4. August 2018 – Parppeinvaara – Paateri – Nurmes
Wir begannen den Tag mit einem Besuch des Runendorfs Parppeinvaara. In der Sängerhütte lauschten wir einigen Stücken auf der Kantele, einem zitherähnlichen Musikinstrument. Eine Führung durch das Museumsdorf mit verschiedenen Hütten und einer Kapelle folgte. Zum Abschluss gab es ein hervorragendes karelisches Buffet mit Piroggen im Restaurant.

 

 

 

 

 

 

Parppeinvaara Kapelle

 

 

Weiter ging die Fahrt durch die Wälder Ost-Finnlands nach Paateri zum Reich der Holzbildhauerin Eva Ryynänen († 2001). Wir konnten ihr Wohnhaus, das Atelier und als Höhepunkt ihre Kirche besichtigen.


 

 

 

 

 

Paateri - Eva Ryynänen Kirche

 

 

 

Am Abend kamen wir in Nurmes an, den nördlichsten Punkt unserer Reise. Eine Besichtigung des Bomba-Hauses in der Hotelanlage durfte nicht fehlen.
Und für 5 Teilnehmer gab es heute ein weiteres Highlight: Lufthansa hat endlich die verlorengegangen Koffer geliefert.


 

 

 

 

 

Nurmes Bomba-Haus

 

 

 


Sonntag, 5. August 2018 – Puijo - Kuopio

Ab jetzt ging die Fahrt wieder südwärts. Der Aussichtsturm Puijo musste nicht bestiegen werden, sondern man konnte mit dem Aufzug hinauffahren. Von der Plattform hatte man eine schöne Sicht auf die finnische Seen- und Insel-Landschaft.


 

 

 

 

 

 

Aussicht vom Puijo-Turm

 



 Am frühen Nachmittag kamen wir in Kuopio in unserem Hotel am See an. Den restlichen Tag erkundeten wir auf eigene Faust den Ort. Ein Besuch des Doms und des Marktplatzes mit Markthalle und Rathaus oder ein Bummel an der Seepromenade wurde von vielen wahrgenommen.

 

 

 

 

 

 

Kuopio Markthalle

 



Montag, 6. August 2018 – Uusi Valamo
Heute erfolgte ein Ausflug zum Kloster Uusi Valamo, eine russisch-orthodoxe Klostergemeinschaft, die während des Winterkrieges im 2. Weltkrieg von einer Insel im Ladogasee nach Valamo flüchtete.
Mit unserem Führer besichtigten wir die Alte Kirche und die neue Hauptkirche, gewidmet den Heiligen Sergei und Herman. In der Anlage war viel los, da die Kirche das Fest der Verklärung Christi an diesem Tag feierte. Wir bekamen eine weitere Führung durch die Whiskey Brennerei und eine Weinprobe. Wer dann noch Lust hatte, konnte die Ruhe am See und im Klostergarten genießen.


 

 

 

 

 

Uusi Valamo

 

 


Dienstag, 7. August 2018 – Kenkävero - Lahti
Nahe Mikkeli besuchten wir das Pfarrhaus in Kenkävero. Auch das Sommerhaus von Santa Claus war auf dem Gelände zu sehen.


 

 

 

 

 

 

Kenkävero Pfarrhaus

 

 


In Lahti war unser erster Halt an der Kreuzkirche von Alvar Alto. Obwohl sie eigentlich schon geschlossen war, konnten wir Dank des Klopfens von Manfred die schlichte Kirche auch noch von innen besichtigen, begleitet von Orgelmusik.

 

 

 

 

 

 

 

Lahti Kreuzkirche

 

 


Danach war die Besichtigung der Sibelius-Halle auf dem Programm. Auf dem Gelände einer ehemaligen Holzfabrik werden die alten Hallen für Rock- und Pop-Konzerte verwendet. Die neue Halle ist durch einen Verbindungsbau mit LED-Sternenhimmel erreichbar. Von der ausgezeichneten Akustik der Konzerthalle konnten wir uns bei einem Orgelkonzert überzeugen.


 

 

 

 

 

 

Lahti Sibelius-Halle

 

 


Mittwoch, 8. August 2018 – Pyhäniemi - Hollola

Unser letzter Tag in Finnland. Wir besuchen am Morgen den Gutshof in Pyhäniemi. Angeblich kann man die Anlage für 1 Euro kaufen. Solange noch kein neuer Eigentümer gefunden ist, wird das Anwesen für Kunstausstellungen genutzt.


 

 

 

 

 

 

Pyhäniemi Gutshof

 

 

Ein paar Kilometer weiter war Hollola. Schon von weitem ist der Glockenturm von Carl Ludwig Engel zu sehen. Eine Führung um und in die Steinkirche, erbaut um ca. 1500, folgte. Viele Fresken und Wappen waren zu sehen.


 

 

 

 

 

 

Hollola Steinkirche

 

 


Danach Weiterfahrt zum letzten Besichtigungspunkt nach Orimattila zum Kunstschloss von Soile Yli Mäyry. Ihre farbenfrohen Bilder und Skulpturen aus Muranoglas waren im ganzen Haus zu sehen.


 

 

 

 

 

 

Bild und Muranoglas von Soile Yli Mäyry

 

 


Nun ging es auf der Autobahn zum Flughafen Helsinki-Vantaa. Nach erfolgreichem Check-in und pünktlichem Start sind wir mit allen Gepäckstücken wieder in München gelandet.


 

 

 

 

 

 

DFC Reisegruppe

 

 

                                                                      Text und Bilder: Norbert Winberger

 

● (35) Finnischer Filmabend
„Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki“

27. September 2018

Finnland 1962: Olli Mäki hat die einmalige Chance, Boxweltmeister zu werden. Als erster Finne überhaupt kämpft er im Federgewicht um den Titel. Helsinki und ganz Finnland warten auf Ollis großen Sieg, aber der hat was ganz anderes im Kopf: Er hat gerade die Liebe seines Lebens getroffen …

DER GLÜCKLICHSTE TAG IM LEBEN DES OLLI MÄKI ist ein romantischer Film gespickt mit feinem Humor über eine wahre, in Finnland sehr bekannte Geschichte, herzerwärmend, voll schöner Melancholie und Menschlichkeit.

Juho Kuosmanen erzählt in der Tradition der großen finnischen Melancholiker wie Aki Kaurismäki und ergänzt in seinem Spielfilmdebüt die typisch lakonische Schrulligkeit um einen erfrischenden, zutiefst menschlichen Optimismus.

Juho Kuosmanen gelingt mit Der Glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki das feine Kunststück, mit Ruhe, zarter Schwermut und leichtem Humor einen Boxer-Film nach einer wahren Geschichte zu inszenieren, der eigentlich ein Film über die Liebe ist.

 

Gewinner des Un Certain Regard Preises in Cannes 2016!
Gewinner des Internationalen Spielfilmwettbewerbes 12. Züricher Film Festival
Gewinner „Baltischer Filmpreis“ 58. Nordische Filmtage Lübeck 2016
Finnlands Oscar-Beitrag 2017 (Kategorie Bester fremdsprachiger Film)
Internationale Auszeichnungen in Cannes, Zürich und Lübeck (alle 2016)

 

● (34) Auf dem Königsweg von Helsinki nach Salo

24. Mai 2018

Kuno Saatze berichtete in einem Vortrag mit Lichtbildern über seine Radl-Tour von Helsinki nach Salo. Er erzählte, wie es zu dieser Tour kam, wie sie vorbereitet und schließlich durchgeführte worden ist, und schilderte seine abenteuerlichen Erlebnisse während der sechstägigen Radtour.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ergänzt wurde der Vortrag mit einem kurzen Film von der Ausstellung der Bilder im Rathaus der Stadt Salo, die u.a. von acht Künstlerinnen und Künstlern des Puchheimer Kulturvereins während des Kunst-Symposiums gemalt worden sind. Dieses Symposium wurde von dem Hansa Verein (Deutsch-Finnischer Verein in Salo) zusammen mit der Gesellschaft für Künstler (Salon Taiteilijaseura) mit Unterstützung der Stadt Salo im August letzten Jahres organisiert.

 

 

● (33)  Das pure Glück wohnt in Finnland!?

26. April 2018

Für die Aktion „Puchheim liest ein Buch“ hat Nicola Bräunling von der Buchhandlung Bräunling „Glückskind“ von Steven Uhly ausgewählt. Zu diesem Buch und dem Thema Glück finden in Puchheim zwischen Mitte März und Mitte Mai zahlreiche Veranstaltungen statt. Auch der Deutsch-Finnische Club beteiligte sich am 26.04.2018 an der Aktion. Im gut gefüllten Saal der Alten Schule in Puchheim-Ort stellten wir die naheliegende Frage: Was hat eigentlich Finnland mit Glück zu tun?

Der World Happiness Report der UN gibt eine ganz einfache Antwort auf diese Frage: Finnland steht dort auf Platz 1, wohingegen es Deutschland nur auf Platz 15 geschafft hat. Wieso die Finnen das glücklichste Volk der Welt sind, versuchten zunächst Ulla Williams, gebürtige Finnin, und Marion Strencioch in einem kurzen Gespräch zu klären. Ulla Williams stellte zunächst fest, dass die Finnen über ihren ersten Platz im Weltglücksbericht besonders glücklich sind, weil sie nun endlich einmal auf einem Gebiet den ewigen Rivalen Norwegen geschlagen haben. Diesem Scherz mit einem Fünkchen Wahrheit folgten die eigentlichen Gründe: Zum einen ist da die traumhaft schöne finnische Landschaft mit ihrem unsagbar weiten Himmel zu nennen. Zum anderen herrscht in Finnland ein Gefühl von großer Sicherheit, weil das soziale Netz dicht gewebt ist und der Unterschied zwischen arm und reich weit wesentlich geringer ist als in Deutschland. Und vor allem ist das Leben in Finnland weit weniger hektisch und getrieben als in Deutschland. Beim Sport beweisen die Finnen, dass sie nicht die mürrischen, wortkargen Menschen sind, als die man sie sich oft vorstellt. Mit kreativen Sportarten wie Matschfußball (bei dem der Batz kniehoch steht), Handy- und Gummistiefelweitwurf, Frauentragen und Luftgitarrespielen beweisen sie, dass sie jede Menge Humor haben. Die Bedeutung von Familie und Freunden, der in Steven Uhlys „Glückskind“ eine zentrale Rolle zukommt, stellte Williams auch für Finnland heraus. Doch schränkte sie ein, dass durch den zunehmenden Zuzug in die Städte auch die Vereinsamung wächst. Schließlich gab es eine ganz eindeutige Antwort auf die Frage, mit welchen Büchern man Kinder in Finnland glücklich macht: die Mumins!

 

 

Marion Strencioch und
Ulla Williams

 

 

                                                                            Vera Zingsem                                                                       

Das führte zum Hauptteil des Abends. Mit einem Zitat von Demokrit, demzufolge mutiges Handeln zum Glück führt, begrüßte Ulrike Wörner die Referentin Vera Zingsem. Die Tübinger Theologin, Autorin und Tanztherapeutin Zingsem hielt einen überaus kurzweiligen, unterhaltsamen und mitreißenden Vortag über Tove Jansson und ihr Hauptwerk, die Mumins. Die lustigen und friedliebenden weißen Trolle, deren Aussehen an Nilpferde erinnert, hatte die finnische Autorin als Gegenentwurf zu der kriegsgeschädigten Gesellschaft nach dem 2. Weltkrieg geschaffen. Anhand zahlreicher Beispiele erklärte Zingsem, wie die Mumins in vollkommener Toleranz die Marotten und Macken jedes einzelnen Wesens akzeptieren und wie sie gutgelaunt mit überraschenden Ideen, verblüffenden Einfällen und allem voran mit unerschütterlichem Optimismus für jedes Problem eine Lösung finden. Doch die Geschichten enthalten auch philosophische Gedanken, etwa wenn ein Mumin mitten im Winter aus seinem Winterschlaf erwacht und sich daraufhin in einer ihm völlig fremden Welt zurechtfinden muss. Ausnahmslos alle Besucher lauschten Zingsems Ausführungen gebannt, lachten häufig und strahlten mit jeder Episode mehr.

Zum Abschluss des Abends wurden noch Getränke gereicht und suomalaisia onnenkeksejä (finnische Glückskekse). So waren die selbstgebackenen Plätzchen in Form der Mumins tituliert worden.

Beim Nachhausegehen war allen Besuchern klar: Das pure Glück wohnt vielleicht nicht in Finnland, jedoch ganz, ganz sicher bei den Mumins!

                                                                                                                                                         Marion Strencioch

 

● (32) Finnische Malerei

Lichbildervortrag von Ingeborg Keil

30.11.2017

 

Finnische Malerei ist in Deutschland nahezu unbekannt. Die ersten Spuren finden sich in Mittelfinnland als ca. 7000 Jahre alte Felsenmalereien. Es gibt auch noch etliche Zeugnisse aus dem Mittelalter. Leider sind aber sehr viele ausgemalte Holzkirchen abgebrannt. Erst seit der Renaissance und dem Barock haben sich durchgehend Malereien erhalten.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt die Kunstepoche, die später das „Goldene Zeitalter finnischer Kunst“ genannt wird. Dazu trug auch die Sammlung von
Kunstwerken bei, die später im Ateneum in Helsinki ausgestellt und jährlich ergänzt wurde, entweder durch Schenkungen oder durch Ankauf.

 

Die erste Frau, die hervorragend malte und über die Grenzen Finnlands bekannt wurde, war Fanny Churberg (1845-1892). Schon früh Waise, hatte sie dennoch finanziell keine wesentlichen Probleme, denn ein gutes Erbe sorgte für sie und ihre Geschwister. Sie lernte in Düsseldorf, das damals ziemlich die einzige Möglichkeit für Frauen bot, Kunst zu studieren, wenngleich sie nicht an öffentlichen Anstalten zugelassen waren. Ihr war es wichtig, das Nationalgefühl der Finnen herauszustellen, deshalb malte sie hauptsächlich finnische Landschaften, die auch heute noch bewundernswert sind. Ein paar Beispiele: Landschaft in der Gegend von Viipuri bei einem nahenden Gewitter, Wasserfall, Mondschein, einige Winterlandschaften und auch ein Selbstbildnis. Fanny Churberg gewann mehrere wichtige Preise in Finnland. Trotzdem hatte sie auch Probleme mit den damaligen Kunstkritikern, die mit ihrem fortschrittlichen Malstil nicht immer etwas anfangen konnten. In späteren Jahren widmete sie sich einem anderen Kunstgebiet, der Textilarbeit. Sie gründete einen Verein der Handarbeitsfreunde und leistete damit einen großen Beitrag zu diesem sehr wichtigen Gebiet finnischer Kultur.

 

 Albert Edelfelt (1854-1905) stammte aus einer Familie, die sich künstlerisch betätigte. Er wurde früh Halbwaise, weil der Vater starb, konnte aber die bereits begonnen Kunststunden fortsetzen und konzentrierte sich nach philologischen Studien an der Universität Helsinki sehr bald nur noch auf die Kunst. Wie auch andere namhafte finnische Maler und Malerinnen hatte er bei Adolf von Becker bereits eine gute Grundausbildung erhalten. In Antwerpen und Paris vervollkommnete er sich und machte sehr bald die Historienmalerei zu seinem Hauptgebiet. Wichtige Werke sind: Königin Blanka, Fürst Karl schmäht den Leichnam von Klaus Flemming. Später malt er sehr viele Porträts und beginnt auch einen neuen Stil, denn die Farbgebung im Atelier scheint ihm nicht immer gut, so malt er fortan nur noch im Freien, um das Licht und die Luft besser einfangen zu können. Werke aus dieser Zeit sind: Der Leichenzug eines Kindes, Gottesdienst auf den Schären von Uusimaa, Samstagabend auf Hamari, Am Meer, Alte Frauen von Ruokolahti auf dem Kirchberg u.a. Die Porträts werden nicht idealisiert, man kann die Personen als Individuen ausmachen. Mit dem Porträt von Louis Pasteur gelang ihm der Durchbruch. Er bekam nicht nur viele finnische und internationale Preise, sondern gehörte sogar zur Jury bei der Societé Nationale des Beaux Arts in Paris, wo er u.a. den Ritterorden bekam. Er durfte sogar vom russischen Zaren Porträts anfertigen. Auch er hatte oft Schwierigkeiten mit den Kritikern, aber ohne ihn wäre die Kunst Finnlands nicht so bekannt im übrigen Europa geworden. Er malte auch ein Porträt der karelischen Runensängerin Larin Paraske, die 32.000 Verse finnischer Volksdichtung rezitieren konnte und so auch sehr viel zur finnischen Kunst beigetragen hat. Seine bedeutendste Aufgabe war es, die Geschichten des Fähnrich Stool von Johann Ludwig Runeberg (1804-1877), dem finnischen Nationaldichter, zu illustrieren, ein Buch, das ihn schon als Kind fasziniert hatte.
Als er 51jährig starb, gestalteten sich die Beisetzungsfeierlichkeiten zu einer nationalen Trauerfeier.


Akseli Gallen-Kallela (1865-1931) wurde als Axel Waldemar Gallén geboren und nahm erst später den finnisierten Namen an. Auch Gallen-Kallela war früh Halbwaise. Auch er lernte früh bei Adolf von Becker, der offensichtlich die Talente junger Menschen gut erkannte. Er studiert auch wie viele andere seiner Zeit in Paris. Zunächst malte er im Stil des Realismus und des Naturalismus (Der Junge und die Krähe, Verwester Zander), aber sehr bald gilt dem finnischen Nationalepos Kalevala sein Hauptaugenmerk. Er malt die Geschichte der Aino, um die der greise Sänger Väinämöinen freit und die es aber vorzieht zu den Jungfrauen des Vallamo ins Wasser zu gehen, als sich dem alten Mann zu ergeben. Er malt die Erschaffung des Sampo, dieses zaubermächtigen mühlenähnlichen Gebildes, das demjenigen, der es besitzt, Reichtum gibt. Dieser Sampo ist bei der Nordlandherrscherin Louhi und er wird ihr geraubt. Auch das malt Gallen-Kallela. Für seine Malereien, die teilweise wie ein Fenster in die Vergangenheit wirken, lässt er sich z.B. eine Schmiede bauen, in der „Sklaven“, ganz in Loden gekleidet, den Blasbalg betätigen und schmieden. So kann er die Farbgebung genau übernehmen und die Licht- und Schattenspiele. Weitere Werke aus dem Kalevala sind Lemminkäinens Mutter, Kullervos Fluch. Es verwundert nicht, dass derartige Werke in Paris nicht unbedingt auf Resonanz stießen, denn ohne die Geschichte zu kennen, sind sie nicht gerade aussagekräftig. Wichtig für ihn war es, die finnische Nationalität darzustellen. Auch er gewann viele Preise, war international anerkannt (z.B. bestellten die Uffizien ein Selbstbildnis von ihm). Auch im Land wurden ihm große Ehren zuteil, er wurde beauftragt, für die finnische Soldaten- und Repräsentationskultur alles Mögliche zu entwerfen. Später lebte er ein Zeit in Amerika. 1931 starb er an einer Lungenentzündung in Stockholm.

 

Das finnische Wunderkind der Malerei war Helene Schjerfbeck (1862-1946), die bereits als Kind wunderschön zeichnen konnte und etliche Jahre früher, als es üblich war, an der Zeichenschule angenommen wurde, weil Adolf von Becker ihr Talent erkannte. Nach einem Unfall hatte sie ein Leben lang mit einer Behinderung zu tun, die sie aber vielleicht noch sensibler hatte werden lassen allem Kindlichen Leid gegenüber. Auch sie war sehr früh Halbwaise geworden. Als Frau musste sie um ihre Anerkennung schwer kämpfen, denn die Kritiker waren zu einem großen Teil der Meinung, dass Frauen nicht wirklich Künstlerinnen sein konnten und beurteilten die Bilder entsprechen boshaft. Die eigene Mutter lehnte ihre „brotlose Kunst“ auch ab und war der Meinung, Waschen, Kochen und Aufräumen seien wichtiger. Dennoch konnte sie in Paris, in der Bretagne und in Cornwall studieren und malen. Ihr waren die Heldenmalereien nicht wichtig, sie malte die Menschen ohne Beschönigung, aber mit einer gewissen Hingabe. Der verwundete Soldat im Schnee, Die Genesende, Der Junge, der seine kleine Schwester füttert sind anrührende Bilder, weil sie mit großer Menschlichkeit zu uns sprechen. Landschaften aus der Bretagne, Bilder, die das tägliche Leben der Menschen zeigen und auch ihre Selbstbildnisse, die, je älter sie wird, desto schonungsloser den menschlichen Verfall darstellen, wurden von einem Kunsthändler, Gösta Stenman angekauft. So hatte sie ein einigermaßen regelmäßiges Einkommen, obwohl es ihr finanziell nie besonders gut ging. Bis ins hohe Alter malte sie, war Neuem gegenüber aufgeschlossen, und starb, nachdem ihr die beiden Weltkriege vor allem gesundheitlich ziemlich zugesetzt hatten, in Schweden, wo sie ihre letzten Lebensjahre zugebracht hatte.
1996 wurde ihr als erster Finnin eine Gedenkmünze gewidmet und ihre Werke erzielen heute bei internationalen Auktionen höhere Preise als alle anderen finnischen Kunstwerke.
Barbara Beuys hat eine Biographie über sie geschrieben, die lesenswert ist.

                                                                                      Ingeborg Keil

 

● (31) Zweiter Finnischer Filmabend

7.11.2017

Im Jahr 2017 begehen die Städtepartnerschaft von Puchheim und Salo und der Deutsch-Finnische Club ihr jeweiliges 10-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund hat der DFC seine Veranstaltungsdichte im Jubiläumsjahr erhöht. Neu ins Programm wurde die Darbietung von finnischen Filmen aufgenommen. Am 2. März 2017 zeigte der DFC bereits den Film „Mittsommernachtstango“. Darin wird auf humorvolle Weise versucht, das Ursprungsland des Tangos, Argentinien oder Finnland, zu ermitteln.

Nun folgte der zweite finnische Filmabend mit der Doku-Dramödie (so die Bezeichnung der Verleihfirma) „WAS MÄNNER SONST NICHT ZEIGEN – GESCHICHTEN AUS DER FINNISCHEN SAUNA (FSK: 6)“.
In der wohligen Wärme der Sauna tauschen finnische Männer sowohl humorvolle als auch tiefgründige Lebensgeschichten aus und kehren ihr Innerstes nach außen. Im Mittelpunkt steht immer: Die Sauna.
In Finnland gehört sie zum täglichen Leben und ist wohl aus jedem Raum mit vier Wänden zu machen – auch Telefonzellen, alte Wohnwagen und Erntemaschinen sind bestens geeignet, um Menschen zusammen zu bringen.

 

Schon eine Weile vor Beginn der Veranstaltung fanden sich viele Besucher im Puchheimer Kulturzentrum PUC ein. Bald zeigte es sich, dass die Bestuhlung des Saales nicht ausreichte und weitere Stühle benötigt wurden. Mit einer so großen Besucherresonanz hatte niemand gerechnet.

Das Publikum war von dem Film recht angetan. Er weist keine durchgehende Handlung auf. Vielmehr werden in unterschiedlichen Szenen einzelne Männerschicksale dargestellt. So wechseln sich bei den Saunagesprächen anrührende und amüsante, aber auch sehr tragische Ereignisse ab. Ein breites Spektrum männlicher Lebenserfahrung wird dem Publikum präsentiert.

Aufgrund der großen Besucherzahlen bei beiden Filmabenden ist es sehr wahrscheinlich, dass der DFC diese Reihe weiter führt.

 

 

● (30) Tanzveranstaltung: Finnischer Tango

26.10.2017

Schon zum dritten Mal veranstaltete der Deutsch-Finnische Club einen Tanzkurs zum Finnischen Tango unter der Leitung von Rolf Kajanne. Der erste fand bereits im März 2014 in der Alten Schule in Puchheim-Ort statt. Zur Feier des 10-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Puchheim – Salo und gleichzeitig des Deutsch-Finnischen Clubs durfte der Finnische Tango nicht fehlen. Jetzt hat neuerlich wiederum in der Alten Schule der dritte Tanzkurs stattgefunden.

Acht Tanzpaare haben sich eingefunden, um nochmals das Wesen des Finnischen Tangos und seine einfachen Schrittkombinationen zu erfahren, und um anschließend diesen Tango auch zu tanzen.

Rolf Kajanne thematisierte die seit Jahrzehnten ungeklärte Frage, wo denn der Tango entstanden sei, in Finnland oder in Argentinien. Finnlandkenner wissen natürlich sofort, dass die Antwort nur Finnland lauten kann.

Argentinischer Tango wird in Deutschland in vielen Tanzschulen gelehrt. Eine Tanzschule zu finden, die Kurse zu Finnischem Tango anbietet, dürfte dagegen schwer fallen. Diese Lücke will der DFC füllen.

Rolf Kajanne, ein angesehener Lehrer für Finnischen Tango, ist in Helsinki geboren und erlernte diesen Tanz schon in seiner Jugend. Trotz Rock’n‘Roll und argentinischem Tango ist er immer der Tradition sowie dem ganz eigenen Rhythmus des finnischen Tangos treu geblieben. In vielen Kursen hat er den Tanz und das Gespür dafür in Theorie und Praxis weiter vermittelt. Jetzt gibt er ein Stück weit dieses finnische Lebensgefühl, das mit dem Tanz verbunden ist, nach Puchheim weiter.