Deutsch-Finnische Treffs

Der Deutsch-Finnische Club Puchheim veranstaltet in unregelmäßigen Zeitabständen Deutsch-Finnische Treffs. Bei diesen Veranstaltungen werden vielfältige Themen, natürlich alle mit Finnland- oder Salo-Bezug, behandelt. Es kann sich um Musik- und Tanzveranstaltungen, Vorträge, Lesungen und Reiseberichte handeln.

Über die bisherigen Deutsch-Finnischen Treffs wird in chronologischer Reihenfolge berichtet:

 

● (32) Finnische Malerei

Lichbildervortrag von Ingeborg Keil

30.11.2017

 

Finnische Malerei ist in Deutschland nahezu unbekannt. Die ersten Spuren finden sich in Mittelfinnland als ca. 7000 Jahre alte Felsenmalereien. Es gibt auch noch etliche Zeugnisse aus dem Mittelalter. Leider sind aber sehr viele ausgemalte Holzkirchen abgebrannt. Erst seit der Renaissance und dem Barock haben sich durchgehend Malereien erhalten.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt die Kunstepoche, die später das „Goldene Zeitalter finnischer Kunst“ genannt wird. Dazu trug auch die Sammlung von
Kunstwerken bei, die später im Ateneum in Helsinki ausgestellt und jährlich ergänzt wurde, entweder durch Schenkungen oder durch Ankauf.

 

Die erste Frau, die hervorragend malte und über die Grenzen Finnlands bekannt wurde, war Fanny Churberg (1845-1892). Schon früh Waise, hatte sie dennoch finanziell keine wesentlichen Probleme, denn ein gutes Erbe sorgte für sie und ihre Geschwister. Sie lernte in Düsseldorf, das damals ziemlich die einzige Möglichkeit für Frauen bot, Kunst zu studieren, wenngleich sie nicht an öffentlichen Anstalten zugelassen waren. Ihr war es wichtig, das Nationalgefühl der Finnen herauszustellen, deshalb malte sie hauptsächlich finnische Landschaften, die auch heute noch bewundernswert sind. Ein paar Beispiele: Landschaft in der Gegend von Viipuri bei einem nahenden Gewitter, Wasserfall, Mondschein, einige Winterlandschaften und auch ein Selbstbildnis. Fanny Churberg gewann mehrere wichtige Preise in Finnland. Trotzdem hatte sie auch Probleme mit den damaligen Kunstkritikern, die mit ihrem fortschrittlichen Malstil nicht immer etwas anfangen konnten. In späteren Jahren widmete sie sich einem anderen Kunstgebiet, der Textilarbeit. Sie gründete einen Verein der Handarbeitsfreunde und leistete damit einen großen Beitrag zu diesem sehr wichtigen Gebiet finnischer Kultur.

 

 Albert Edelfelt (1854-1905) stammte aus einer Familie, die sich künstlerisch betätigte. Er wurde früh Halbwaise, weil der Vater starb, konnte aber die bereits begonnen Kunststunden fortsetzen und konzentrierte sich nach philologischen Studien an der Universität Helsinki sehr bald nur noch auf die Kunst. Wie auch andere namhafte finnische Maler und Malerinnen hatte er bei Adolf von Becker bereits eine gute Grundausbildung erhalten. In Antwerpen und Paris vervollkommnete er sich und machte sehr bald die Historienmalerei zu seinem Hauptgebiet. Wichtige Werke sind: Königin Blanka, Fürst Karl schmäht den Leichnam von Klaus Flemming. Später malt er sehr viele Porträts und beginnt auch einen neuen Stil, denn die Farbgebung im Atelier scheint ihm nicht immer gut, so malt er fortan nur noch im Freien, um das Licht und die Luft besser einfangen zu können. Werke aus dieser Zeit sind: Der Leichenzug eines Kindes, Gottesdienst auf den Schären von Uusimaa, Samstagabend auf Hamari, Am Meer, Alte Frauen von Ruokolahti auf dem Kirchberg u.a. Die Porträts werden nicht idealisiert, man kann die Personen als Individuen ausmachen. Mit dem Porträt von Louis Pasteur gelang ihm der Durchbruch. Er bekam nicht nur viele finnische und internationale Preise, sondern gehörte sogar zur Jury bei der Societé Nationale des Beaux Arts in Paris, wo er u.a. den Ritterorden bekam. Er durfte sogar vom russischen Zaren Porträts anfertigen. Auch er hatte oft Schwierigkeiten mit den Kritikern, aber ohne ihn wäre die Kunst Finnlands nicht so bekannt im übrigen Europa geworden. Er malte auch ein Porträt der karelischen Runensängerin Larin Paraske, die 32.000 Verse finnischer Volksdichtung rezitieren konnte und so auch sehr viel zur finnischen Kunst beigetragen hat. Seine bedeutendste Aufgabe war es, die Geschichten des Fähnrich Stool von Johann Ludwig Runeberg (1804-1877), dem finnischen Nationaldichter, zu illustrieren, ein Buch, das ihn schon als Kind fasziniert hatte.
Als er 51jährig starb, gestalteten sich die Beisetzungsfeierlichkeiten zu einer nationalen Trauerfeier.


Akseli Gallen-Kallela (1865-1931) wurde als Axel Waldemar Gallén geboren und nahm erst später den finnisierten Namen an. Auch Gallen-Kallela war früh Halbwaise. Auch er lernte früh bei Adolf von Becker, der offensichtlich die Talente junger Menschen gut erkannte. Er studiert auch wie viele andere seiner Zeit in Paris. Zunächst malte er im Stil des Realismus und des Naturalismus (Der Junge und die Krähe, Verwester Zander), aber sehr bald gilt dem finnischen Nationalepos Kalevala sein Hauptaugenmerk. Er malt die Geschichte der Aino, um die der greise Sänger Väinämöinen freit und die es aber vorzieht zu den Jungfrauen des Vallamo ins Wasser zu gehen, als sich dem alten Mann zu ergeben. Er malt die Erschaffung des Sampo, dieses zaubermächtigen mühlenähnlichen Gebildes, das demjenigen, der es besitzt, Reichtum gibt. Dieser Sampo ist bei der Nordlandherrscherin Louhi und er wird ihr geraubt. Auch das malt Gallen-Kallela. Für seine Malereien, die teilweise wie ein Fenster in die Vergangenheit wirken, lässt er sich z.B. eine Schmiede bauen, in der „Sklaven“, ganz in Loden gekleidet, den Blasbalg betätigen und schmieden. So kann er die Farbgebung genau übernehmen und die Licht- und Schattenspiele. Weitere Werke aus dem Kalevala sind Lemminkäinens Mutter, Kullervos Fluch. Es verwundert nicht, dass derartige Werke in Paris nicht unbedingt auf Resonanz stießen, denn ohne die Geschichte zu kennen, sind sie nicht gerade aussagekräftig. Wichtig für ihn war es, die finnische Nationalität darzustellen. Auch er gewann viele Preise, war international anerkannt (z.B. bestellten die Uffizien ein Selbstbildnis von ihm). Auch im Land wurden ihm große Ehren zuteil, er wurde beauftragt, für die finnische Soldaten- und Repräsentationskultur alles Mögliche zu entwerfen. Später lebte er ein Zeit in Amerika. 1931 starb er an einer Lungenentzündung in Stockholm.

 

Das finnische Wunderkind der Malerei war Helene Schjerfbeck (1862-1946), die bereits als Kind wunderschön zeichnen konnte und etliche Jahre früher, als es üblich war, an der Zeichenschule angenommen wurde, weil Adolf von Becker ihr Talent erkannte. Nach einem Unfall hatte sie ein Leben lang mit einer Behinderung zu tun, die sie aber vielleicht noch sensibler hatte werden lassen allem Kindlichen Leid gegenüber. Auch sie war sehr früh Halbwaise geworden. Als Frau musste sie um ihre Anerkennung schwer kämpfen, denn die Kritiker waren zu einem großen Teil der Meinung, dass Frauen nicht wirklich Künstlerinnen sein konnten und beurteilten die Bilder entsprechen boshaft. Die eigene Mutter lehnte ihre „brotlose Kunst“ auch ab und war der Meinung, Waschen, Kochen und Aufräumen seien wichtiger. Dennoch konnte sie in Paris, in der Bretagne und in Cornwall studieren und malen. Ihr waren die Heldenmalereien nicht wichtig, sie malte die Menschen ohne Beschönigung, aber mit einer gewissen Hingabe. Der verwundete Soldat im Schnee, Die Genesende, Der Junge, der seine kleine Schwester füttert sind anrührende Bilder, weil sie mit großer Menschlichkeit zu uns sprechen. Landschaften aus der Bretagne, Bilder, die das tägliche Leben der Menschen zeigen und auch ihre Selbstbildnisse, die, je älter sie wird, desto schonungsloser den menschlichen Verfall darstellen, wurden von einem Kunsthändler, Gösta Stenman angekauft. So hatte sie ein einigermaßen regelmäßiges Einkommen, obwohl es ihr finanziell nie besonders gut ging. Bis ins hohe Alter malte sie, war Neuem gegenüber aufgeschlossen, und starb, nachdem ihr die beiden Weltkriege vor allem gesundheitlich ziemlich zugesetzt hatten, in Schweden, wo sie ihre letzten Lebensjahre zugebracht hatte.
1996 wurde ihr als erster Finnin eine Gedenkmünze gewidmet und ihre Werke erzielen heute bei internationalen Auktionen höhere Preise als alle anderen finnischen Kunstwerke.
Barbara Beuys hat eine Biographie über sie geschrieben, die lesenswert ist.

                                                                                      Ingeborg Keil

 

● (31) Zweiter Finnischer Filmabend

7.11.2017

Im Jahr 2017 begehen die Städtepartnerschaft von Puchheim und Salo und der Deutsch-Finnische Club ihr jeweiliges 10-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund hat der DFC seine Veranstaltungsdichte im Jubiläumsjahr erhöht. Neu ins Programm wurde die Darbietung von finnischen Filmen aufgenommen. Am 2. März 2017 zeigte der DFC bereits den Film „Mittsommernachtstango“. Darin wird auf humorvolle Weise versucht, das Ursprungsland des Tangos, Argentinien oder Finnland, zu ermitteln.

Nun folgte der zweite finnische Filmabend mit der Doku-Dramödie (so die Bezeichnung der Verleihfirma) „WAS MÄNNER SONST NICHT ZEIGEN – GESCHICHTEN AUS DER FINNISCHEN SAUNA (FSK: 6)“.
In der wohligen Wärme der Sauna tauschen finnische Männer sowohl humorvolle als auch tiefgründige Lebensgeschichten aus und kehren ihr Innerstes nach außen. Im Mittelpunkt steht immer: Die Sauna.
In Finnland gehört sie zum täglichen Leben und ist wohl aus jedem Raum mit vier Wänden zu machen – auch Telefonzellen, alte Wohnwagen und Erntemaschinen sind bestens geeignet, um Menschen zusammen zu bringen.

 

Schon eine Weile vor Beginn der Veranstaltung fanden sich viele Besucher im Puchheimer Kulturzentrum PUC ein. Bald zeigte es sich, dass die Bestuhlung des Saales nicht ausreichte und weitere Stühle benötigt wurden. Mit einer so großen Besucherresonanz hatte niemand gerechnet.

Das Publikum war von dem Film recht angetan. Er weist keine durchgehende Handlung auf. Vielmehr werden in unterschiedlichen Szenen einzelne Männerschicksale dargestellt. So wechseln sich bei den Saunagesprächen anrührende und amüsante, aber auch sehr tragische Ereignisse ab. Ein breites Spektrum männlicher Lebenserfahrung wird dem Publikum präsentiert.

Aufgrund der großen Besucherzahlen bei beiden Filmabenden ist es sehr wahrscheinlich, dass der DFC diese Reihe weiter führt.

 

 

● (30) Tanzveranstaltung: Finnischer Tango

26.10.2017

Schon zum dritten Mal veranstaltete der Deutsch-Finnische Club einen Tanzkurs zum Finnischen Tango unter der Leitung von Rolf Kajanne. Der erste fand bereits im März 2014 in der Alten Schule in Puchheim-Ort statt. Zur Feier des 10-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Puchheim – Salo und gleichzeitig des Deutsch-Finnischen Clubs durfte der Finnische Tango nicht fehlen. Jetzt hat neuerlich wiederum in der Alten Schule der dritte Tanzkurs stattgefunden.

Acht Tanzpaare haben sich eingefunden, um nochmals das Wesen des Finnischen Tangos und seine einfachen Schrittkombinationen zu erfahren, und um anschließend diesen Tango auch zu tanzen.

Rolf Kajanne thematisierte die seit Jahrzehnten ungeklärte Frage, wo denn der Tango entstanden sei, in Finnland oder in Argentinien. Finnlandkenner wissen natürlich sofort, dass die Antwort nur Finnland lauten kann.

Argentinischer Tango wird in Deutschland in vielen Tanzschulen gelehrt. Eine Tanzschule zu finden, die Kurse zu Finnischem Tango anbietet, dürfte dagegen schwer fallen. Diese Lücke will der DFC füllen.

Rolf Kajanne, ein angesehener Lehrer für Finnischen Tango, ist in Helsinki geboren und erlernte diesen Tanz schon in seiner Jugend. Trotz Rock’n‘Roll und argentinischem Tango ist er immer der Tradition sowie dem ganz eigenen Rhythmus des finnischen Tangos treu geblieben. In vielen Kursen hat er den Tanz und das Gespür dafür in Theorie und Praxis weiter vermittelt. Jetzt gibt er ein Stück weit dieses finnische Lebensgefühl, das mit dem Tanz verbunden ist, nach Puchheim weiter.

 

● (29) Lauri Viita zum 100. Geburtstag

27.4.2017

Lauri Viita, ein bedeutender finnischer Dichter und Schriftsteller, hätte am 17.12.2016 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Anlässlich dieses Datums wurde ein Abend ihm zu Ehren in Puchheim für den DFC gestaltet.

Zunächst sprachen wir davon, wie ich auf Lauri Viita gekommen sei. 1986 hatte meine Familie durch Zufall einen finnischen Gastschüler bekommen, Matti Viita, den Enkel des Dichters. Es entstand eine bis heute andauernde Freundschaft, die dazu beitrug, dass die Familie Keil viel über Lauri Viita im Lauf der Zeit erfuhr.

Nach einer allgemeinen Einführung über die geologischen Gegebenheiten in und um Tampere und der Entstehung des Moränenhügelrückens Pispala, der Schauplatz ist für den Roman „Moreeni“ (wörtlich: Moräne, deutscher Titel: „Ein einzelner Weiser ist immer ein Narr“), wurden die Zuhörer überrascht mit einem finnischen Abschnitt aus dem Roman, was für einige der erste Kontakt mit der finnischen Sprache war. Aus dem Roman, der zugleich eine Art Biographie des Autors ist, wurden einige Textpassagen (nun allerdings auf Deutsch) vorgetragen, die beschreiben, wie das Leben der Arbeiter um 1900 in der Industriestadt Tampere aussah, wie die großen Familien gezwungen waren, sich eine Bleibe auf dem nahegelegenen Hügelrücken Pispala zu schaffen. Es wurde gezeigt, wie die politische Situation im Ersten Weltkrieg, im Fortsetzungskrieg und im Winterkrieg in Finnland war und wie trotz der widrigen Umstände die jungen Menschen doch eine gewisse Freiheit im Land genießen konnten. In diese chaotische Zeit wird Lauri Viita 1916 als jüngstes Kind nach sechs Geschwistern hineingeboren. Lauri besucht das Gymnasium, was zu der Zeit in der Umgebung gar nicht goutiert wird, denn so fehlt ein Verdiener in der Familie und man will auch nicht besser sein als die anderen. 1939 heiratet er Kerttu Solin, hat zwei Kinder mit ihr und lässt sich, nun schon ein bekannter Dichter, 1948 von ihr scheiden, weil er sich in eine junge Dichterin, Aila Meriluoto, verliebt hat und meint, ohne sie nicht leben zu können. Hier geraten nun zwei geniale Menschen aneinander, es entwickelt sich eine ausgesprochen stürmische Ehe, aus der vier Kinder hervorgehen. Aber auch diese Ehe wird geschieden, als Lauri wiederholt in eine Nervenheilanstalt eingewiesen werden muss. Aila sagt einmal über ihn, dass er „kein Dichter, sondern eine Naturkatastrophe“ sei. 1956 wird die Ehe geschieden. Lauri ist nach längeren Behandlungen wieder gesund, ist als Dichter sehr erfolgreich und reist viel im Land umher. 1962 heiratet Lauri ein drittes Mal, Anneli Kuurinmaa, mit der er auch noch einen Sohn hat. Am 21.12.1965 wird er bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall so schwer verletzt, dass er am nächsten Tag im Krankenhaus stirbt.

Aila Meriluoto hat ein Buch über ihn geschrieben, „Lauri Viita, „Legenda jo elämänsä“ (Lauri Viita, Legende schon zu Lebzeiten). Dieses Buch wurde 2009 verfilmt unter dem Titel eines ihrer Gedichte „Putoavia Enkeleitä“ (Gefallene Engel). Anlässlich seines 100. Geburtstags wurde von Eeva Kontu ein Musical komponiert, „Viita 1949“, das mit großem Erfolg in Tampere aufgeführt wurde und noch wird. Lauri Viita hat neben seinem Roman „Moreeni“ noch einen weiteren geschrieben, besonders bekannt ist er aber wegen seiner Gedichte, die zu einem Teil von Heikki Sarmanto vertont wurden und von Tapani Kansa gesungen.

Es ist sehr schwer, Gedichte in eine andere Sprache zu übertragen. So wurde nur der Inhalt von „Iso Mies“ (Ein großer Mann), „Alfhild“, „Betonimylläri“ (Der Betonmischer) besprochen, dann übernahm die Musik die Interpretation. Das Gedicht „Alfhild“ ist geradezu eine Hymne auf seine Mutter, das in Finnland zu dem Muttertagsgedicht wurde. Ein Gedicht „Onni“ (Glück) ist übersetzt worden, wenn auch leicht gekürzt. Es wird als eine Art Vermächtnis des Dichters angesehen, denn es ist sein letztes Gedicht, das bereits wie ein Abschied klingt. Es erschien an dem Tag in der Zeitung , als auch die Nachricht von seinem Tod berichtet wurde.

                                                                                                                         Ingeborg Keil

 

● (28) Finnischer Filmabend  „Mittsommernachtstango“

2. März 2017

Der Finnische Filmabend, den der DFC im Max Reinhardt-Saal des Puchheimer Kulturcentrums PUC durchgeführt hat, traf auf großes Publikumsinteresse.

Eine Frage, die bis heute ungeklärt ist, beschäftigt seit langem die Musikwelt:

Wo ist der Tango entstanden? In Argentinien oder in Finnland?

Bei uns kennt Jedermann den Argentinischen Tango, er wird in vielen Tanzschulen gelehrt. Aber gibt es überhaupt einen Finnischen Tango? Viele wissen darauf keine Antwort.

Nach den Regeln moderner Vermarktungsstrategie könnte man feststellen: Der Argentinische Tango hat sich am internationalen Markt durchgesetzt, der Finnische keineswegs.

Wie unterscheiden sich die beiden Musik- und Tanzstile und welche gab es zuerst?

Mit diesem Thema beschäftigt sich der Film „Mittsommernachtstango“ auf amüsante Weise mit vielen musikalischen Beispielen. Können die Fragen dort beantwortet werden? 

 

                                                  Mittsommernachtstango

Dokumentarfilm: D/Argentinien/Finnland 2012
Regie: Viviane Blumenschein
Darsteller: Aki Kaurismäki, Walter „Chino“ Labarde u.a.
Sprache: Finnisch, Spanisch , Deutsch / Untertitel: Deutsch

 

Leidenschaft, Gefühl und Sehnsucht – der Tango verbindet Generationen von heißblütigen Tänzern und Musikern. Nicht nur in Argentinien und Uruguay, sondern auch in Finnland. Dem Land der Saunen, Seen und schweigsamen Menschen. Und der Heimat des Tangos, behauptet zumindest der berühmte finnische Regisseur Aki Kaurismäki. In MITTSOMMERNACHTSTANGO begleitet Regisseurin Viviane Blumenschein die drei temperamentvollen, argentinischen Tango-Musiker Chino Laborde, Diego Kvitko und Pablo Greco auf ihrem Road Trip durch Finnland, auf der Suche nach den wahren Ursprüngen des Tangos. Während sie fahrbaren Ein-Mann-Saunen, endlosen Wäldern und vollen Tango-Tanzböden begegnen, entdecken die Musiker in lauen Mittsommernächten den Charme der finnischen Tango-Interpretation. Auf ihrer Reise treffen sie die finnischen Größen des Tangos, von Reijo Taipale, Sanna Pietiäinen bis M. A. Numminen und lassen ihre Skepsis beim gemeinsamen Musikmachen mehr und mehr verfliegen. MITTSOMMERNACHTSTANGO ist eine humorvolle Hommage an den Tango, mit liebevollem Blick auf die Sprache der Musik, deren Melancholie unabhängig von Kultur und Herkunft verbindet.

 

● (27) Vortrag „Jugendstil in Finnland – das Goldene Zeitalter"                               von Anne Mischke-Jüngst M.A

19.01.2017

Den Auftakt der Veranstaltungsreihe des Deutsch-Finnischen Clubs im Jubiläumsjahr 2017 machte ein Vortrag mit Lichtbildern über die spezielle Ausprägung des finnischen Jugendstils, den an sich nur wenige in Finnland vermuten.

Der Vortrag fand statt im Max Reinhardt-Saal des Puchheimer Kulturcentrums PUC. Dieser Saal war mit 70 Stühlen ausgestattet.Zur erfreulichen Überraschung Aller reichten die Plätze aber nicht aus, so dass noch weitere 20 Stühle aufgestellt werden mussten. Das große Interesse motiviert die Verantwortlichen.

Zu Ihrem Vortrag schreibt die Kunsthistorikerin und Referentin des Abends, Anne Mischke-Jüngst M.A.:

„Jugendstil und Finnland – passen der Stil und das Land überhaupt zusammen? Passt die dekorativ schwungvolle Linienkunst, die insbesondere den Jugendstil auszeichnet, zu dem vermeintlich ernsten, schwermütigen, melancholischen Charakter der Finnen? Offensichtlich ja! Man findet sie auch in Finnland, diese typische Variante des Jugendstils, aber nicht nur. Finnland ist ein vorzügliches Beispiel dafür, wie facettenreich der Jugendstil ist. Fast jedes Land hat seinen individuellen Ausdruck für diese Stilrichtung gefunden, die sich von ca. 1895 bis 1914 in weiten Teilen Europas ausgebreitet hat. In allen beteiligten Ländern wollte sich die künstlerische Avantgarde endlich von den überkommenden Stilen der Vergangenheit lösen und eine Kunst schaffen, die neu, zeitgemäß, antihistorisch und antitraditionell sein sollte. Der Jugendstil ist für Finnland eine künstlerische Blütezeit wie selten zuvor in der Geschichte des Landes. Maler wie Akseli Gallen-Kallela, Ville Vallgren, Magnus Enckell, Architekten wie Eliel Saarinen, Hermann Gesellius, Armas Lindgren sind Kosmopoliten, die in ihrer Kunst aber trotzdem einen eigenen nationalen Weg gehen. Sie verschmelzen die Tendenzen der neuen internationalen Kunst mit den künstlerischen Traditionen ihres Landes. Die Künstler beziehen ihre Anregungen häufig aus dem finnischen Volksepos „Kalevala“. Landschaft, Mythologie und Volkskunst werden bisweilen „nationalromantisch“ verklärt. Wie um 1900 international verbreitet, steht das Gesamtkunstwerk auch für die finnische Kunst der Jahrhundertwende im Mittelpunkt. Architektur, Möbel, Textilien, Keramik, Glas, Bucheinbände, aber auch Gemälde und Skulpturen spiegeln die neuen Tendenzen der Zeit wider. Und gleichsam werden auch die Literatur und die Musik von der künstlerischen Neubelebung erfasst. Herausragend in Europa um 1900 ist die Architektur des Landes, die sich auszeichnet durch landestypische Materialien wie Granit und Holz und ebenso durch ursprüngliche Elemente der finnischen Kultur.“

           

             Helsinki  Cafe Kapelli                                                                   Helsinki  Eingangsportal

 

● (26) Bericht mit Bildern über eine Indien-Reise

29.10.2015

Der Deutsch-Finnische Club veranstaltet diesen DF-Treff mit einer ganz anderen Thematik als üblich: Nicht Salo, Finnland oder wenigstens ein nordisches Land sind Gegenstand der Betrachtung, sondern das aufstrebende und noch immer schwer verständliche Indien.

Der Versuch, eine Verbindung zwischen Finnland und Indien herzustellen oder Gemeinsamkeiten zu entdecken, ist völlig gescheitert. So bleibt also nichts anderes übrig, als den Reisebericht ohne Überleitung zu beginnen.

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